Markt- und Investment-Update

17. Februar 2025

Zölle und Inflation: kein linearer Zusammenhang 

USA | Kehrt die Inflation zurück? 

Die US-Inflation war im Januar höher als erwartet und lag sowohl bei der Gesamtinflation als auch bei der Kerninflation (bei der die volatilen Komponenten herausgerechnet werden) bei rund 3 %. Dies war vor allem auf höhere Energiepreise sowie auf Preiserhöhungen bei Gebrauchtwagen, Kfz-Versicherungen, medizinischen Versorgungsgütern und Flugpreisen zurückzuführen. Aber nicht alle Preise sind gestiegen – so sanken beispielsweise diejenigen für Bekleidung. 

Während die Inflationsüberraschung die Märkte aufschreckte und die Renditen von US-Anleihen aufgrund von geringeren Erwartungen für Leitzinssenkungen der Fed stiegen, bleibt ein nachhaltiger Inflationsanstieg unwahrscheinlich. Die Inflation muss im Durchschnitt knapp unter 0,2 % pro Monat liegen, um das 2 %-Ziel bis Ende 2025 zu erreichen. Das ist eine Herausforderung, aber sie wird sich voraussichtlich abschwächen und leicht über dem Zielwert einpendeln, denn: 

Erstens dürften die Ölpreise stabil bleiben und ihren Beitrag zur Inflation begrenzen. Die OPEC wird im April 2025 wohl mit der Lockerung der Produktionskürzungen beginnen, und die Bohrpläne von Trump werden das Angebot erhöhen. Bei stabiler Nachfrage dürften die Preise stabil bleiben. Zweitens dürfte Amerikas Inflation auf dem Wohnungsmarkt nachlassen. Die Hauspreise und Mieten haben sich stabilisiert und dürften sich in der Inflationsrate niederschlagen. Eine Studie der Federal Reserve of Cleveland stützt die Ansicht, dass sich die Inflation im Immobiliensektor abschwächen wird. 

Es stimmt, dass Trumps Zölle für Unsicherheit sorgen. Aber die Beziehung zwischen Zöllen und Inflation ist nicht linear. Bei neuen Zöllen gibt es ein komplexes Geflecht von Reaktionen. Unternehmen und Länder passen ihre Lieferketten an, Unternehmen können Kosten absorbieren, und das Verbraucherverhalten ändert sich. Auch Währungseffekte spielen eine Rolle. Die Zielwährungen werden gegenüber dem US-Dollar schwächer, so dass Importe weiterhin erschwinglich bleiben. Im Jahr 2018 führten Trumps Zölle zu einer Aufwertung des Dollars um 4,5 %, und das Handelsdefizit weitete sich weiter aus. Es ist erwähnenswert, dass ein starkes Importwachstum ein grundlegender Indikator für die gute Gesundheit der US-Wirtschaft ist. 

Sollten die Zölle die Preise in die Höhe treiben, würde dies dauern. Die gedämpfte Reaktion des Marktes auf die Ankündigung der Zölle in der vergangenen Woche spiegelt die Komplexität der Umsetzung wider, die erst nach April erfolgen soll und somit Zeit für Verhandlungen lässt

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Europa | Können sich europäische Aktien 2025 weiterhin besser entwickeln als US-Aktien?   

Im Jahr 2025 haben europäische Aktien, allen voran auch der DAX, bislang trotz Trumps wachstumsfeindlicher Agenda, Zolldrohungen, schwächerem europäischem Wachstum und politischer Unsicherheit besser abgeschnitten als US-Pendants. Sogar in Frankreich, wo die politische Unsicherheit sicherlich groß ist, hat der CAC 40-Index 9 % zugelegt, verglichen mit 2,3 % und 3,4 % für den S&P 500 bzw. den NASDAQ. 

Zwei Faktoren erklären dies. Erstens entwickelten sich US-Aktien im Jahr 2024 gut und legten nach Trumps Amtsantritt eine kleine Verschnaufpause ein - ein "Kauf die Wahl, Gewinnmitnahme bei der Amtseinführung"-Effekt. Zweitens stärkte der Trump-Handel den Dollar und schwächte den Euro, wovon europäische Exporteure mit erheblichen Auslandseinnahmen profitierten. Diese Outperformance könnte ohne fiskalische Unterstützung und Strukturreformen zur Steigerung von Produktivität und Investitionen nicht von Dauer sein. Aufgrund der anhaltenden Zolldrohungen sind wir gegenüber europäischen Aktien weiterhin neutral eingestellt. Sie könnten zwar steigen, aber schlechter abschneiden als die US-Märkte. 

Überraschende Wirtschaftsdaten aus Europa könnten jedoch für Aufwärtspotenzial sorgen. Ein schwacher Euro könnte die Exporte und das verarbeitende Gewerbe unterstützen, die im Januar Anzeichen einer Erholung zeigten. Ohne umfassende Zölle auf europäische Exporte und mit einem möglichen Friedensabkommen mit der Ukraine könnte sich unsere Haltung ändern. 

Diese Woche | Wirtschaftliche Aktivität in Europa vor der Bundestagswahl 

Diese Woche geht die Gewinnsaison Q4/2024 weiter. Wir beobachten die Entwicklungen im Weißen Haus in Bezug auf die Geopolitik (Russland/Ukraine) und Zölle. Zu den wichtigsten Wirtschaftsdaten gehören am Freitag die Einkaufsmanagerindizes für Februar, die Aufschluss darüber geben, ob sich die jüngste Verbesserung in Deutschland und der Eurozone fortsetzt und ob sich die Abschwächung in den USA bestätigt. 

Darüber hinaus könnte die Veröffentlichung der britischen Januar-Inflation weitere Zinssenkungen der Bank of England unterstützen. Aus deutscher Sicht gilt der Fokus aber natürlich der Bundestagswahl am Sonntag, wobei die Umfragen insgesamt weiterhin recht stabil auf einen Wahlsieg der CDU/CSU hindeuten, womit Friedrich Merz neuer Kanzler werden dürfte - ob in einer Zweier- oder Dreierkoalition, bleibt aber weiterhin offen. 

Lesen Sie auch zu diesem Thema unsere aktuelle Kundenpublikation unseres Chefstrategen Robert Greil mit dem Titel Bundestagswahl – ein Motor für das Wachstum der Eurozone? und seine Einschätzungen für die möglichen Auswirkungen der Bundestagswahl für die Wirtschaft und die Finanzmärkte.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

 

Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung. informieren.  

*Die dem vorliegenden „Blick über die Märkte“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten  Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteilzum Zeitpunktder Veröffentlichung des „Blicks über die Märkte“dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Blick über die Märkte“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder  eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar.  Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2024: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch

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