BLITZLICHT

Das Comeback europäischer Aktien ist in vollem Gange

Europäische Aktien haben seit Jahresanfang eine starke Wertentwicklung hingelegt. Wir sind davon überzeugt, dass diese weiter andauert und gehen deswegen eine taktische Übergewichtung von Aktien aus Europa (ohne Großbritannien) ein. Getrieben von steigenden Gewinnerwartungen, attraktiven Bewertungen und nun wohl auch neuen fiskalischen Impulsen haben sie sich in der Gunst der Anleger nach oben gearbeitet. Besonders die geplanten höheren Staatsausgaben in Deutschland und das EU-Programm „ReArm Europe“ setzen positive Akzente. Gleichzeitig bleibt eine mögliche “Friedensdividende” ein Aufwärtspotenzial, falls der Russland-Ukraine-Krieg endet.
Die Welt ist keine grundlegend andere als vor ein paar Monaten, und es wäre aus unserer Sicht falsch, sich zugunsten von Europa nun stark aus den USA zurückzuziehen. Dennoch ist die relative Attraktivität von Titeln aus der „alten Welt“ zuletzt gestiegen. Um unser europäisches Aktienexposure auszubauen, haben wir daher selektiv US-Aktien verkauft. Diese bleiben damit aber leicht übergewichtet, wenn auch weniger stark als zuvor.

Die Bewertung vieler US-Titel ist hoch, während die politische Unsicherheit zugenommen hat. Neue Zölle und Unklarheit über die zukünftige Steuerpolitik schaffen Gegenwind. Während wir insbesondere die klassischen Indizes mit ihrem hohen Gewicht bei Tech-Werten skeptischer sehen, bleiben wir in den USA investiert, nun jedoch mit mehr Akzent auf Industrie- und Finanzwerte – Branchen, die von der neuen US-Politik profitieren könnten. Gleichzeitig bleibt der technologische Fortschritt in den USA ein langfristiger Treiber, weshalb wir das Thema künstliche Intelligenz weiter im Blick behalten.

Für Europa spielt die Fiskalpolitik eine entscheidende Rolle in unserer Neubewertung der Aussichten. Mit ReArm Europe will die EU ihre Haushaltsregeln aussetzen, um massiv in Verteidigung zu investieren. Deutschland plant zudem höhere Staatsausgaben für Infrastruktur und Wirtschaftsreformen. Diese Impulse schließen eine Lücke, die europäische Märkte lange belastet hat: zu wenig Wachstum, zu wenig Investitionen. Nun sollte sich dies ändern, und damit gibt es wieder eine fundamentale Basis für eine nachhaltigere Kursrallye.

Dennoch bleiben Risiken bestehen. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und mögliche Marktübertreibungen erfordern ein diszipliniertes Risikomanagement. Deshalb halten wir auch weiterhin Absicherungsinstrumente, die unsere Portfolios vor Marktrückschlägen schützen. Diese Strategie hat sich bewährt – und wir bleiben flexibel, falls sich das Marktumfeld erneut ändert.
Mit der jüngsten Veränderung unserer Allokation setzen wir verstärkt auf europäische Aktien, bleiben aber breit diversifiziert, zum Beispiel mit kurzlaufenden Anleihen, Gold und weiteren Rohstoffen als Absicherung.

Stefan Duderstedt
Head of Investment & Client Solutions
Merck Finck I A Quintet Private Bank

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